Neusiedlersee Radmarathon 2007

Irgendwann will man es mal wissen. Sich messen mit anderen. Körper & Geist auf die Probe stellen. Ein Radmarathon muss her – der Neusiedlersee Radmarathon sollte mein erster Radmarathon sein. Die relativ flache Strecke mit wenigen Höhenmetern gleich am Anfang des Kurses kommt mir sehr entgegen. Nach dem Studium der Ergebnislisten des Vorjahres setzte ich mir eine Zeit von 4h10min als persönliches Ziel. Eine Durschnittsgeschwindigkeit von ca. 30km/h sollte bei guten Windverhältnissen und passender Gruppendynamik möglich sein.

Mein erster Marathon

Nach einer Nacht mit eher unruhigem Schlaf und einem kleinen Frühstück startete ich Richtung Mörbisch. Meine Startnummer habe ich bereits am Vortag abgeholt und auf dem Trikot montiert. Auch das Rennrad, Klamotten, Trinkflaschen usw. wurden bereits am Abend vor dem Rennen im Auto verstaut, damit ich den Tag ruhig und gelassen angehen kann.

Um 9:00 treffe ich mich mit meinem Arbeitskollegen Walter in Mörbisch. Ein weiterer Freund namens Walter gesellt sich mehr oder weniger spontan dazu und sichert sich in den letzten Minuten vor dem Start seinen Startplatz. 15min vor Beginn des Radmarathons rollen wir zum Start und platzieren uns im hinteren Drittel des Feldes – ich will’s ja ohnehin ruhig angehen!

Pünktlich um 10:00 erfolgt der Startschuss. Nach ca. 3min passieren auch wir die Startlinie. Mein erster Radmarathon beginnt. Der erste Teil des Marathons führt durch die Gassen von Mörbisch bergauf über schmale Wege zum Grenzübergang Klingenbach. Wir verlieren uns gleich beim ersten Anstieg aus den Augen. Ich geh’s dann doch nicht so gemütlich an, überhol gleich mehrere Fahrer und arbeite mich nach vorne. Walter ist inzwischen schon über alle Berge…

Kurz nach dem Grenzübergang Klingenbach erwische ich eine Gruppe mit passendem Tempder. Ich schließe mich der Gruppe an, versuch immer relativ weit vorne zu fahren. Das Rennfieber packt mich. Ich beteilige mich ein paar mal an der Führungsarbeit. Dieser Übermut sollte sich später rächen 😉

Ich fühle mich gut. Auf die erste Labstelle in Illmitz verzichte ich. Der Gegenwind wird immer stärker, teils weht er auch von der Seite. Ich versuche an der Windkante zu fahren, funktioniert aber in dem Chaos der Gruppe nicht wirklich. Plötzlich rollt ein Windkanten-Kreisel vorbei, dem ich mich anschließen kann. Eine sehr harmonische Gruppe mit regelmäßigem Wechsel. Wir machen ordentlich Tempo, kommen gut voran und holen einige kleinere Gruppen ein. Ich versuche immer wieder zu trinken und Gels zu mir zu nehmen, die ich in einer zweiten Flasche mit Wasser aufgelöst habe. Es gelingt mir allerdings nur bedingt – ich befinde mich so am Limit, dass mein Magen nicht wirklich dazu bereit ist etwas aufzunehmen. Ich bekomme gerade mal einen Schluck vom Iso-Getränk runter. Kurz vor der letzten Labstation in Breitenbrunn hole ich auch meinen Kollegen Walter wieder ein und bemerke gleichzeitig, dass meine Reserven ziemlich am Ende sind. Der anfängliche Übermut macht mir nun zu schaffen.
Bei der Labstation lege ich eine kleine Pause ein und schnapp mir ein Cola. Vielleicht hilft ein Zuckerschub. Während meiner Pause beobachte ich Mitstreiter, die genussvoll ein oder zwei Wurstsemmeln verdrücken, während mein Magen schon bei einem kleinen Stück einer Banane streikt. Unglaublich.

Nach 5min gehe ich wieder auf die Strecke um die letzten 25km in Angriff zu nehmen. Meine Beine sind schwer. Einige Gruppen fahren an mir vorbei, ich kann nicht mal mehr die Kraft aufbringen, um mich in den Windschatten zu hängen. So rolle ich die letzten 25km großteils alleine vor mich hin – geschwächt von den vorangegangen Kilometern, gestärkt durch den Rückenwind.

Von Rust sind es noch 5km nach Mörbisch. Aber wann kommt endlich dieses verdammte Rust?!?! Ich kann’s kaum mehr erwarten im Ziel anzukommen.

In Rust hält mich ein Polizist an einer Kreuzung an und lässt zuerst die Autos die Kreuzung passieren. Er entschuldigt sich, dass es aufgrund des großen Verkehrsaufkommens nicht anderes möglich sei. Nochmals antreten, die Oberschenkeln brennen.

Ortstafel Mörbisch. Ein letztes mal noch alle Kräfte sammeln und auf den letzten Metern eine gute Figur machen. Ziellinie. Nach 4 Stunden, 9 Minuten und 33 Sekunden. Persönliches Ziel erreicht. Ich bin glücklich. Wolfgang und Walter sind schon im Ziel. Mein erster Radmarathon ist geschafft.
Zahlen & Fakten

Start & Ziel: Mörbisch (Burgenland, Österreich)
Streckenlänge: 125 km
Höhenmeter: 200m
Teilnehmeranzahl: 1800
Streckenführung

Mörbisch -> Grenzübergang Klingenbach -> Sopron* -> Balf* -> Hegykö* -> Fertöd* -> Nyárliget* -> Grenzübergang Pamhagen -> Apetlon -> Illmitz (Labestelle) -> Podersdorf -> Gols (Kreisverkehr) -> Weiden -> Neusiedl -> Jois -> Breitenbrunn (Labestelle) -> Purbach -> Donnerskirchen -> Oggau -> Rust -> Mörbisch.

* Ungarisches Staatsgebiet (gültiger Reisepass erforderlich)

Links

Fotos (c) by RC HoheWand

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